Häufig gestellte Fragen zur Virusuntersuchung:

Schnabelkrankheit

PBFD / Polyoma (APV)

01. Was bedeutet PBFD?
Die englische Bezeichnung Psittacine Beak and Feather Disease (PBFD) bedeutet wörtlich übersetzt „Feder- und Schnabelkrankheit der Papageienvögel“. In dieser Bezeichnung stecken bereits zwei wichtige Informationen: Die Krankheit, die zu Beginn der 1970er Jahre entdeckt wurde, betrifft hauptsächlich Arten der Psittaciformes. Es gibt mittlerweile jedoch Hinweise darauf, dass auch Arten außerhalb der Papageienvögel betroffen sein könnten. Die Symptome der Erkrankung finden sich in erster Linie am Gefieder und manchmal auch am Schnabel der betroffenen Tiere.


Deformierte Feder

02. Woran erkennt man PBFD?
Ein erstes Anzeichen ist die verstärkte Bildung von Federstaub. Es folgt der Verlust von normalen Daunen- und/oder Konturfedern, die durch deformierte, verdrehte, brüchige oder verfärbte Federn ersetzt werden. Diese veränderten Federn bleiben oft mickrig und erreichen nicht ihre normale Größe. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann es auch zu Veränderungen des Schnabels kommen. Eine Erweichung des Schnabelhorns kann zu Verwachsungen, Rissen oder Frakturen des Schnabels führen.


Schnabel Fraktur

03. Was ist der Auslöser von PBFD?
Ausgelöst wird PBFD immer durch eine Infektion mit dem Beak and Feather Disease Virus (BFDV), das Anfang der 1990er Jahre entdeckt wurde. BFDV ist ein sehr widerstandsfähiges Circovirus, gegen das auch heute noch keine wirksame Impfung zur Verfügung steht. Die Infektion mit BFDV ist bis dato nicht behandelbar und die Krankheit (PBFD) gilt daher als unheilbar.


04. Wie verbreitet sich PBFD?
Das Virus wird durch den Kot ausgeschieden und übertragen. Es kann jedoch auch im Federstaub enthalten sein oder direkt durch den Kropfinhalt infizierter Vögel beim Füttern weitergegeben werden. BFDV gilt als hoch ansteckend und man geht davon aus, dass es auch indirekt, z.B. über die Kleidung des Halters, von einem kranken Vogel auf andere übertragen werden kann.


05. Endet die Infektion mit dem PBFD-Virus immer tödlich?
Um diese Frage zu beantworten muss man zwischen Infektion und Erkrankung unterscheiden. Der Krankheit geht stets die Infektion mit BFDV voraus. Ein Vogel der mit dem PBFD-Erreger infiziert ist muss jedoch nicht zwangsläufig erkranken. Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten, wie ein Vogel auf die Infektion reagieren kann:

a) Seine Abwehrkräfte können das Virus nicht erfolgreich bekämpfen und der Vogel erkrankt an PBFD. Dieser Vogel wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an der Krankheit sterben.

b) Seine Abwehrkräfte bekämpfen das Virus so erfolgreich, dass es gänzlich wieder aus seinem Körper verschwindet. Dieser Vogel ist als gesund anzusehen und stellt keine Ansteckungsgefahr dar.

c) Seine Abwehrkräfte können das Virus eindämmen, so dass der Vogel nicht erkrankt, aber dennoch geringe Mengen Virus in sich trägt. Dieser Vogel scheint gesund, kann jedoch lebenslang andere Vögel infizieren! Es besteht zudem die Möglichkeit, dass dieser Vogel zu einem späteren Zeitpunkt selbst erkrankt, wenn sein körpereigenes Abwehrsystem nicht mehr gut genug arbeitet.


06. Woran sterben Vögel, die an PBFD leiden?
Todesursache können Veränderungen an den inneren Organen sein, die das PBFD-Virus hervorruft. Oft sterben die Tiere jedoch an so genannten Sekundärinfektionen mit Bakterien oder Pilzen. Das Immunsystem ist durch PBFD so sehr beansprucht, dass der Vogel anfälliger wird für andere Erreger. Man kann das Leben dieser Vögel verlängern, wenn man sie durch geeignete Hygienemaßnahmen und eine gesunde Ernährung gegen Sekundärinfektionen schützt.


07. Was ist die Polyomavirusinfektion?
Polyomaviren gehören zu den Papovaviren und sind mit dem PBFD-Virus (Circoviren) nicht näher verwandt. Dennoch gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten bei den durch diese Erreger verursachten Krankheiten:

1. Polyomaviren befallen vornehmlich Psittaciformes (z.B. Wellensittiche und Agaporniden), aber auch Greifvögel (Falconiformes) können betroffen sein. Da das Virus auf Vögel beschränkt ist wird es auch als APV (Aviäres Polyoma-Virus) bezeichnet

2. Die Symptome einer Polyomavirusinfektion können denen von PBFD (siehe 02.) ähneln. Neben einem schlechten Allgemeinzustand sind Abnormalitäten von Gefieder und Haut erste Anzeichen dieser Erkrankung.

3. Der Krankheitsverlauf bei Jungvögeln ist dramatisch, während Altvögel oft eine gewisse Immunität entwickeln und keine Symptome zeigen. Diese Vögel können jedoch als „Virusüberträger“ andere Vögel infizieren (siehe 05.c).

4. Die Polyomavirusinfektion ist nicht behandelbar. Der Vogelhalter kann sich bzw. seine Vögel nur prophylaktisch schützen, indem er für eine ausreichende Hygiene und gesunde Ernährung in seinem Bestand sorgt.


08. Wie kann man seinen Bestand vor PBFD / Polyoma schützen?
Der sicherste Schutz vor allen Infektionskrankheiten ist eine Quarantäne von mindestens 6 Wochen für alle „Neuzugänge“. In dieser Zeit kann der Halter die Tests auf PBFD und Polyoma durchführen lassen. Bei der Probenentnahme ist größte Sorgfalt geboten! Die Proben verschiedener Tiere dürfen auf keinen Fall Kontakt zueinander haben, da es sonst zu falsch positiven Ergebnissen kommen kann. Dies gilt besonders für Federproben, zumal sich das Virus (PBFD und APV) auch im Federstaub befindet und dadurch auf Federproben gesunder Tiere übergehen kann. Wenn mehrere Vögel getestet werden sollen empfehlen wir für die Probenentnahme Einmalhandschuhe zu tragen, die nach jedem Vogel gewechselt werden. Im frühen Stadium der Infektion ist das Virus jedoch nur im Blut nachweisbar. Am sichersten ist daher ein doppelter Test an Blut und Feder. Für die Entnahme der Blutprobe empfehlen wir dem Halter, sich an seinen Tierarzt zu wenden. Unsachgemäß entnommenes Blut ist für den Virustest meist unbrauchbar. Es verklumpt ohne den Zusatz eines Gerinnungshemmers wie z.B. EDTA.


09. Wie kann man PBFD / Polyoma nachweisen?
Der Nachweis von Circo- und Papovaviren (PBFD und APV) funktioniert nach dem Prinzip der PCR (siehe Geschlechtsbestimmung). Aus Blut oder Federn wird zunächst das Erbgut (DNA) isoliert. Ist der Vogel infiziert, so befindet sich neben dem eigenen Erbgut auch die komplette DNA des entsprechenden Virus in der Probe. Die DNA ist in der Reihenfolge der Informationen für jedes Lebewesen einzigartig und somit seine Visitenkarte. Molekulare Werkzeuge erkennen das Erbgut eines bestimmten Virus (z.B. PBFD) und vervielfältigen einen Abschnitt daraus viele Millionen Mal. Dieser DNA-Schnipsel wird sichtbar gemacht und identifiziert das Virus zu 100 Prozent. Der PCR-Test ist extrem sensitiv und es genügen wenige Viren für ein positives Ergebnis. Daher ist Vorsicht geboten bei der Probenentnahme (siehe 08.)! Ein negatives Ergebnis sagt aus, dass kein Virus nachweisbar ist, schließt aber eine Infektion nicht zu 100 Prozent aus. Es wird daher empfohlen, den Virustest mindestens einmal nach 4-6 Wochen zu wiederholen, um endgültige Sicherheit zu erreichen. Das gilt auch bei einem positiven Ergebnis, da manche Vögel nach einer Infektion wieder vollständig gesunden (siehe 05.b).


10. Wie weit ist der PBFD-Erreger in Deutschland verbreitet?
Wissenschaftler der Universität Witten/Herdecke sind dieser Frage im Jahr 2003 nachgegangen. Ziel ihrer Studie war es, die Verbreitung des Erregers von PBFD innerhalb der in Deutschland gezüchteten Papageien-vögel festzustellen. Dafür haben sie Federproben von knapp 150 Papageien (19 verschiedene Gattungen) aus der Haltung von 32 unabhängigen Züchtern aus ganz Deutschland untersucht. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Forscher für diese Studie nur augenscheinlich gesunde Vögel, ohne klare Symptome der PBFD Krankheit getestet haben. Mit der PCR-Methode konnten sie die DNA des PBFD-Erregers (BFDV) in den Federproben positiver Tiere nachweisen. Das Ergebnis ist erstaunlich: Über 39 Prozent der getesteten Vögel waren positiv für das PBFD auslösende Virus! Diese Studie zeigt deutlich, dass eine Infektion nicht unbedingt zur Erkrankung führen muss. Man muss davon ausgehen, dass ein großer Teil der positiv getesteten Vögel so genannte „Virusträger“ sind. Diese Tiere sind offenkundig gesund, können aber Zeit ihres Lebens andere Tiere anstecken (siehe 5c). Besonders gefährlich ist es, wenn solche Vögel Kontakt zu Nestlingen bzw. Jungvögeln haben. Diese erkranken besonders schnell und der Krankheitsverlauf ist dramatischer als bei adulten Vögeln.


Quellen:

Dr. Veit Kostka (2004):
PBFD – die Circovirusinfektion der Papageien. In: PAPAGEIEN 2/2004.

M. Rahaus & M. H. Wolff (2003): Psittacine Beak and Feather Disease: a first survey of the distribution of Beak and Feather Disease Virus inside the population of captive Psittacine Birds in Germany. In: J. Vet. Med. 50, pages 368-371.

R. Johne & H. Müller (1998): Avian Polyomavirus in wild birds: genome analysis of isolates from Falconiformes and Psittaciformes. In: Arch. Virol. 143, pages 1501-1512.

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